Seit zwei Jahren bietet PURNAM Individualreisen nach Indien an. Das bedeutet: Wir organisieren Unterkünfte, Fahrzeuge, Verpflegung und einen indischen Reiseleiter und Du kannst Die Route und das Programm festlegen. Hier mehr Infos zu unseren Individualreisen.

Wir freuen uns von einer besonderen Reise nach Nordindien einen ausführlichen bekommen zu haben. Mithun ist auf uns zugekommen um gemeinsam mit seinem Vater seiner Mutter die letzte Ehre zu erweisen. Hier der Bericht:

Bericht einer Nordindien Individualreise

Haridwar – das berühmte abendliche Aarati am Hari Ki Pauri

Unsere Nordindien-Reise hatte leider einen sehr traurigen Hintergrund. Im März 2018 verstarb meine Mutter nach mehrmonatiger schwerer Krankheit. Das hat mich sehr getroffen, insbesondere aber für meinen Vater war das ein Ereignis, das für ihn nur schwer zu verarbeiten war. Als Indischstämmige hinduistischen Glaubens haben wir meine Mutter innerhalb weniger Tage im Krematorium in Mainz einäschern lassen. Auch wenn mein Vater und ich nicht religiös sind, war es uns beiden eine Herzenssache, meiner Mutter nach traditionellen religiösen Zeremonien die letzte Ehre zu erweisen und dadurch von ihr Abschied zu nehmen. Also folgte eine elftägige Trauerzeit, in der ich als ihr einziger Nachkomme tägliche Rituale des Gedenkens und der Fürbitte einzuhalten hatte. Anschließend haben wir zuhause in Mainz ein Sraddho-Ritual vollzogen, durch die uns ein brahmanischer Priester aus Frankfurt leitete.

Innerhalb eines Jahres stand nun die Urnenbestattung im Ganges an. Verbunden damit auch ein Batsarik Sraddho, auch Batsarik Puja genannt. Es gibt nur ein paar wenige Orte in Indien, denen als Ort eines Batsarik Pujas eine besonders spirituelle Bedeutung beigemessen wird. Varanasi ist ein solcher Ort, noch viel mehr ist es aber Haridwar. Damit stand unser Entschluss fest: Wir wollten den Abschied von der Urne meiner Mutter in Haridwar nehmen und dort auch das Batsarik Puja vollziehen.

Nun standen wir vor der Aufgabe, eine Reise nach Haridwar zu organisieren. Mein Vater und ich waren noch nie in Uttarakhand, dem Bundesstaat, in dem Haridwar liegt. Leider war ich sowohl beruflich, als auch durch unser privates Hausbauprojekt, zeitlich stark eingespannt. In der Hoffnung, dass er uns bei der Reiseplanung und Organisation helfen könnte, wendete ich mich an Narada von PURNAM. Im Yoga-Vidya-Ashram Westerwald durfte ich vor ein paar Jahren an einem schönen Satsang teilnehmen, durch den er leitete. Und durch einen Flyer, auf den ich eher zufällig bei Yoga Vidya in Bad Meinberg aufmerksam wurde, wusste ich, dass er PURNAM gegründet hatte und in diesem Rahmen Reisen mit spirituellem und yogischem Hintergrund nach Indien anbot.

Ich nahm Kontakt mit Narada auf und schilderte ihm unseren Reisewunsch. In wenigen Tagen entwarf er einen Ablauf der Individualreise. In mehreren Schritten überarbeiteten wir das Konzept – denn meinem Vater und mir kamen noch mehrere Ideen während dieser gemeinsamen Konzeptionszeit. Am Ende stand der Plan: Eine zweiwöchige Reise über Delhi nach Haridwar, Rishikesh und Kurukshetra (Haryana), die uns Gelegenheit bieten sollte seelisch wie zeremoniell Abschied von meiner Mutter zu nehmen. Als ortskundigen Reiseleiter vor Ort empfahl er uns Dipu Binwal aus Almora (Region Kumaon, Uttarakhand).

Der Plan stand und ich buchte die Flugtickets. Leider stand die Umsetzung zunächst nicht unter einem guten Stern. Kurzfristig vor dem geplanten Reiseantritt erkrankten meine Frau und unsere beiden kleinen Kinder (3 und 1 Jahr alt) an Grippe. Ich konnte die Drei so nicht zuhause lassen. Daher entschloss ich mich die Reise umzubuchen – aufgrund beruflicher Termine im Anschluss konnte ich die Reise leider nicht „nach hinten hinaus“ verlängern. Ich sprach erneut mit Narada, der in gewohnt routinierter, kompetenter und kreativer Weise die Reise kurzfristig noch etwas umgestaltete – ohne unsere wichtigsten Etappen und Reiseziele auszulassen.

Nordindien Individualreise

Char Dham, Haridwar

Mahashiva in Haridwar

Dann endlich am 10. März 2019 war es soweit, wir saßen im Flieger nach Delhi. Mitten in der Nacht landeten wir mit rund 1 Stunde Verspätung in Delhi und wurden von Dipu in Empfang genommen. Das Taxi stand bereit und wir machten uns auf eine rund sechsstündige Fahrt ins Aurovalley Ashram in Raiwala. Narada hatte es uns als „Basisstation“ empfohlen, da es verkehrsgünstig, aber dennoch ruhig, zwischen Haridwar und Rishikesh liegt.

Am 12. März stand die Urnenbestattung im Ganges an. Dipu hatte uns hierfür einen ruhigen Ort im Anandamayi Ma Ashram in Haridwar ausgesucht. Angenehm abseits der üblichen Bestattungsorte und sehr ruhig gelegen. Wir konnten mit viel Zeit Abschied von der Urne meiner Mutter nehmen. Auch für das Batsarik Puja am 13. März morgens hatte uns Dipu ein ruhiges kleines Ashram in Haridwar organisiert, abseits der eher etwas „wuseligen“ Ghats. Auch das zweiköpfige Priesterteam, eigentlich aus Badrinath und nur kurzzeitig in Haridwar, war ein Glücksgriff. In den uralten vedischen Riten sehr bewandert sowie auch sehr engagiert führten sie uns durch die mehrstündige Zeremonie, in der wir nochmals meiner Mutter und ihres Seelenfriedens gedachten.

unser Guide Dipu

Die restliche Zeit bis zur Weiterreise nach Kurukshetra verbrachten wir mit Tempelbesuchen und Spaziergängen in der Natur. Narada hatte uns hierfür eine Empfehlungsliste mit interessanten Tempeln und spirituellen Orten zusammengestellt, wie z.B. der Vasishta-Höhle. Am 15. März fuhren wir im Taxi nach Kurukshetra, dem Ort des Mahabharata-Epos und an dem Krishna die Bhagavad Gita verkündete. Dort besuchten wir unter anderem den Brahma Sarovar, einen heiligen See, und Jyotisar – dort, sagt man, erklärte Krishna seinem Weggefährten und Freund Arjuna das „Vishwarupa“ (das eigentliche Wesen unserer Welt) und überzeugte ihn davon, nicht weiter zu zögern und als Karmayogi seine Berufung auf dem Schlachtfeld von Kurukshetra zu erfüllen.

Die letzten 2 ½ Tage hielten wir uns mit Dipu in Delhi auf. Mein Vater und ich waren schon lange nicht mehr dort gewesen. Es war schön, noch unbekannte Ecken Delhis kennenzulernen und noch einige Einkäufe für Deutschland zu erledigen. Am 18. März 2019 stand nun der Rückflug an. Mit ausreichend zeitlichem Vorlauf brachte uns Dipu zum Flughafen. Zufrieden und bewegt von vielen Erlebnissen und Sinneseindrücken saßen wir im Flieger und kamen müde, aber dennoch angenehm entspannt, in Deutschland an.

Den Umständen geschuldet, war das meine bislang kürzeste, aber vermutlich inhaltsreichste Indienreise. Narada und Dipu waren sozusagen Architekt und Projektleiter dieses Gesamtwerkes, das wir trotz einiger Erschwernisse erfolgreich zu Ende führen konnten. Auch wenn unsere Reise doch reichlich mit Etappen gespickt war, kam nie irgendeine Hektik auf. Auch für den Bedarf an innerer Einkehr fanden wir ausreichend Zeit. Narada und Dipu hatten hier die optimale Balance für unsere Individualreise vorgesehen.

Herzlichen Dank an Narada und Dipu – besser hätten sie unsere Nordindien-Reise nicht planen und umsetzen können!

Mithun

Feuerritual in Haridwar

 

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