Wir freuen uns immer über Reiseberichte und Feedbacks zu unseren Reisen. Hier ein Text von unserer Stammkundin und jetzt Reiseleiterin Heidi, mit der ihr Island entdecken könnt.

Reisebericht: Island Roadtrip

Im Juli 2021 führten mich meine Sehnsucht nach neuen Orten und eine glückliche Fügung weiter nördlich als ich je zuvor auf unserem Planeten gewesen war. Mein Lieblingsreiseleiter Narada bot eine Campingreise rund um Island an und ich war mit dabei.

Bevor es losging, stellte ich mir als föhn-süchtige Frostbeule natürlich die Frage: „Wie muss ich meine Packliste erweitern, um so dicht am Polarkreis keinesfalls zu frieren?“ Ich investierte in einen Merino-schlafanzug für die Zeltnächte und auch meine schon etwas verschlissene, längst ausgediente Skihose durfte sich zu den auserwählten Klamotten in meinen Rucksack gesellen. Meine Vorfreude war unbändig groß und ein gewisser Respekt vor der Kälte, der ich womöglich begegnen würde, machte mein diesjähriges Reiseziel gefühlt gleich noch ein bisschen abenteuerlicher. Die Aussicht auf Bäder in natürlichen, aus heißen Quellen gespeisten „Hotpots“ weckte Zuversicht, nachts nicht bibbernd im Schlafsack liegen zu müssen.

Wikingerhaus

Wikingerhaus am Hotpot in Laugar

Schon am zweiten Abend unserer Reise hatten wir die erste Gelegenheit für ein ausgiebiges Bad in einem derartigen heißen Becken. Dieses war schon 2000 Jahre alt und aus Natursteinen angelegt. Das Wasser war so gut temperiert, dass ich schon bald nach einer Abkühlung lechzte. In unmittelbarer Nähe gab es einen kleinen Bach. Das erhoffte kühle Nass war jedoch richtiggehend schmerzhaft kalt. Einzig der skurrile Drang ein cooles Urlaubsfoto mit nach Hause nehmen zu „müssen“, trieb mich an, die Zähne zusammenzubeißen und mich kurz hineinzulegen. Ich blieb keine Sekunde länger als nötig im „eisigen“ Wasser und stieg schnell wieder ins dampfende Steinbecken.

Auch am darauffolgenden Abend badeten wir wieder an einem unfassbar schönen Ort in einem natürlichen Hotpot. Dieser lag unmittelbar am kalten Nordpolarmeeer.

Der Pool war gut besucht und bald kamen wir mit einer Isländerin ins Gespräch. Sie erzählte uns, dass sie auch im Winter täglich ins Meer gehe, um sich gesund zu halten. Sie hatte eine wundervoll, mitreißende Art und bevor wir lange überlegen konnten, animierte sie uns über die Felsen zu klettern, um eine Runde mit ihr schwimmen zu gehen. Ich hielt kurz inne, schaute über den Ozean, nahm einen tiefen Atemzug, ließ mich ins kalte Wasser gleiten und schwamm sofort los. Ich machte einige Schwimmzüge. Das intensive Kältegefühl raubte mir beinahe den Atem und nach gefühlt 30 Sekunden, war der Punkt erreicht, an dem ich nur noch rauswollte. Ich drehte um und machte die rettenden Schwimmzüge zurück zu den Felsen.

Anschließend saßen wir noch eine Weile da und blickten auf`s Wasser. Mein ganzer Körper fühlte sich neu belebt an. Ich spürte wie das Blut und durch meine Adern strömte und mich mit purer Lebensenergie versorgte und augenblicklich stand für mich fest: “Morgen will ich wieder ins Nordmeer!“

Am folgenden Tag schlossen sich mir zwei Wagemutige an, was mir half, mich tatsächlich zu überwinden. Diesmal lenkte ich meine Aufmerksamkeit voll und ganz auf meine Atmung. Ich bemühte mich verlängert auszuatmen, um ruhig zu werden. Meine kleine Schwimmrunde war kurz, jedoch zeitlich gefühlt schon etwas beschaulicher. Der Gedanke, „Jetzt war ich echt im Nordpolarmeer schwimmen!“, erfüllte mein Herz mit einer gewissen Achtung vor mir selbst.

Island: heiße Pools, teilweise direkt am Meer

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Hauganes – Hotpot am arktischen Meer

Bei unserem nächsten Stop in Hauganes fanden wir traumhafte Bedingungen vor, unsere neue entdeckte Begeisterung für „Oceandipping“ im arktischen Meer nach Herzenslust auszuleben. Mehrere einladend gestaltete Hotpots unterschiedlicher Wärme, waren direkt an einem tiefschwarzen, Sandstrand aufgestellt. Ein paar isländische Kinder mit schützenden Neoprenhandschuhen und Füßlingen tobten ausgelassen im kalten Wasser.

Insgesamt dreimal trotzte ich an diesem Tag der Kälte des Atlantiks. Beim zweiten Mal tauchte ich kurz mit dem Kopf unter Wasser und schwamm anschließend minutenlang. Als ich schließlich aus dem Wasser geschritten war, spürte ich nur noch pure Lebendigkeit und absolutes Wohlbefinden!

Alle Zellen meines Körpers waren hellwach und vibrierten vor neuer Energie, ich hätte am liebsten laut schreien mögen! Plötzlich tat sich das Gefühl in mir auf, ich könnte mit Leichtigkeit jeden Gipfel dieser Erde erklimmen.

Das war für mich der erhabenste Moment dieser Reise, von dessen Kraft ich mich noch lange getragen fühlte. Als ich wieder zuhause war, ließ mich die Erinnerung an diesen unbeschreiblichen Augenblick nicht mehr los. Ich begann einiges zu lesen über Kälteexposition und sehr schnell stieß ich auf die sogenannte Wim Hof Methode, die benannt ist nach einem niederländischen Extremsportler. Besonders fasziniert war ich, von einem Bericht über eine Kilimandscharo -Besteigung. Eine Gruppe ohne Bergsteigererfahrung bereitete sich mit dieser Methode vor und schaffte die Besteigung in Rekordzeit. Auch Berichte über medizinische Untersuchungen, die den Rückgang von Entzündungswerten bei autoimmunen Prozessen beschrieben, waren für mich hochinteressant. So begann ich kalte Duschen und eine bestimmte Atemübung in meinen Alltag zu integrieren und meldete mich für einen Tagesworkshop bei einem Lehrer der Methode in Würzburg an. Unter dessen Anleitung würde ich ein Eisbad mit einer Wassertemperatur von 1 bis 2° C nehmen. Dagegen hatte der Nordatlantik mit vielleicht 9 °C im Sommer ja fast schon karibische Temperaturen.

Während des theoretischen Teils des Workshops wurde mir bewusst, dass ich meinen Körper noch nie solch einer extremen Situation ausgesetzt hatte. Und diese Übung konnte physisch wirklich schmerzhaft werden.

Leise Zweifel und Ängste stiegen in mir auf:

„Möchte ich mir das wirklich antun“?

Ich blieb ich bei meinem Entschluss an einem regnerischen , grauen, ungemütlichen, stürmischen Tag Anfang Februar bei 4°C Außentemperatur in eine, mit Eiswürfeln gefüllte, Outdoor-Badewanne zu steigen und mich bis auf den Kopf komplett hineinzulegen. Und dort auch 2 Minuten drin zu bleiben. Ziel der Übung war, sich in diese Ausnahmesituation hinein zu entspannen und trotz des extremen Reizes zur Ruhe zu kommen.

Hotpot

typischer Hotpot in den Westfjorden

Bevor ich einen großen Schritt in die Wanne machte, sammelte ich mich mit einem ganz bewussten, tiefen Atemzug. Dann stieg ich in die Wanne, atmete ein und ließ mich mit der Ausatmung zügig ins Wasser gleiten. Meine erste Empfindung war tiefe Erleichterung, denn die Berührung mit dem Wasser war intensiv, jedoch nicht schmerzhaft. Ich konzentrierte mich auf meine Atmung und versuchte jede Anspannung in meinem Körper loszulassen. Ich schloss die Augen und nahm die Reaktionen in meinem Körper wahr. Meine ganze Körperwärme zentrierte sich in der Körpermitte und mir wurde innerlich fast heiß. Ich befand mich mitten im Hier und Jetzt. Als ich die Augen wieder öffnete und in den wolkenverhangenen, grauen Himmel über mir sah, empfand ich eine tiefe, innerliche Ruhe. Ich unterhielt mich etwas mit meinem Lehrer Patrick, der neben der Wanne hockte und mich begleitete. Plötzlich regten sich doch Schmerzen, wie von vielen kleinen Nadelstichen, in meinen Händen. Es waren jedoch nur noch 10 Sekunden, die es in der Kälte zu meistern galt.

Mit dem Bad war es diesmal nicht vorbei. Die Stunden danach, in denen der Körper sich wieder aufwärmt, kosteten noch einiges an körperlicher Kraft. Jedoch gewann ich durch mein erstes Eisbad bedeutend an mentaler Stärke.

Seit meinem ersten Eisbad gehe ich regelmäßig in einem beinahe vor meiner Haustür gelegenen winterlichen See schwimmen. Ich gewinne zunehmend an Vitalität und kann tatsächlich einen positiven Effekt auf Entzündungsprozesse in meinem Körper beobachten. In meinem Alltag stelle ich mich nun auch viel leichter Aufgaben, die etwas mühsam sind, statt sie vor mir herzuschieben.

Um gut dabei zu bleiben, nahm ich vor kurzem an einem dreitägigen, angeleiteten Wim Hof und Yoga-Retreat mit allerlei Überraschungen in Schnee und Kälte im winterlichen Erzgebirge teil. Wie auch schon mein erster Workshop wurde das Retreat wundervoll angeleitet von dem Ehepaar Patrick und Linda Weyh (www.lindaweyh.com).

Inmitten einer Gruppe gleich Gesinnter, fühlte ich mich sehr getragen und unterstützt. Bei einer Wanderung mit Kälteexposition vollbrachte ich eine konditionelle Leistung, die ich vorher für schier unmöglich hielt. Diese unglaubliche Erfahrung stärkte mich ein weiteres Mal ungemein.

Durch die Kälte zur Superwoman!

Hot Pot, Pollurinn

Hot Pot im Regen: Herrlich!

Im Abschlusskreis am Ende der drei Tage verwandelte mich in „SUPERWOMAN“ und allein diese Geisteshaltung ermöglichte mir am darauffolgenden Tag zu Hause die Länge meiner Joggingstrecke mühelos zu verdoppeln. Meine vorherige Strecke hatte ich gerade so mit Ach und Krach geschafft.

Was durch meine positiven Erfahrungen mit der Kälte maßgeblich verändert hat: Ich habe plötzlich keine Zweifel mehr Dinge zu schaffen, die ich vorher nicht für möglich hielt. Dabei denke ich nun nicht daran ganz extreme Dinge zu tun, wie Menschen wie Wim Hof. Aber der Horizont dessen, was alles im Bereich meiner Möglichkeiten liegt, hat sich enorm erweitert. Ich kann mich plötzlich vor meinem inneren Auge selbst schon bald selbst auf dem Gipfel des Kilimandscharo stehen sehen.

Erst einmal aber, werde ich im Juni Islands bekanntesten Wandertrail durch die Highlands, den 52 km langen Laugarvegur gehen. Mit dem Vertrauen in mich selbst, das ich durch meine Eisbäder gewonnen habe, werde ich so eine Wanderung zum ersten Mal ganz auf mich alleine gestellt in Angriff nehmen.

Nach dem Trail warten dann auch schon wieder Narada und das kalte Nordmeer auf mich. Diesmal wird es auf der Rundreise dann auch das „richtig coole Urlaubsfoto“ geben:

Von einem Eisbad im Gletschersee!

Heidi Grillhösl im April 2022

Island Ringroad Roadtrip mit Heidi

Das Ziel: Eisbad im Gletschersee:

Island Winter

Diamond Beach – Gletscher-Eisberge in der Lagune

Categories: Pilgerreise

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